12.10.2013

Orgelempore (Fortsetzung)

Der Vertrag zur Lieferung einer Orgel mit 24 Registern durch die Gebrüder Carl und Franz Heinrich Stumm datiert vom 3. Januar 1838 und hatte ein finanzielles Budget von 2.000 Reichstalern. Die erforderliche Orgeltribüne - sie sollte 21 Fuß statt der geplanten 30 Fuß lang werden und „bis zum zweiten Kirchenfenster angelegt“ sein - sollte mit den „400 Thlr, die Hr. K anonikus Schue dafür hergegeben hat“ bezahlt werden. Schue begnügte sich jedoch nicht damit, nur als Sponsor aufzutreten, sondern griff, soweit dies aus dem kopierten Schriftwechsel hervorgeht, auch selbst in den Planungsablauf ein. So geht aus dem Beschluss des kirchlichen Sendamts vom 8. September 1838 hervor, dass es

„gegen den ausdrücklichen Willen desselben [scil. Schue] ist, daß die Emporkirche über das zweite Fenster zu stehen kommt".

Die Planung der Empore war dem trierischen Kommunalbaumeister Johann Baptist Bingler anvertraut worden,

„welcher unsern [d.i. des Kirchenrats und des Pfarrers] Beifall gar nicht gefunden hat. Wir haben deshalb auch nicht ermangelt unser Misfallen darüber zu erkennen zu geben"

(so die Abschrift eines Briefes an Landrat Perger vom 14. September 1838).

Die Änderungsvorschläge des Trittenheimer Kirchenrats wurden u.a. durch den Königlichen Bauinspektor Wolff in Trier eingearbeitet, dessen Plan eines „Orgel=Chors“ den Trittenheimern besser gefallen hatte, aber nicht zur Umsetzung gelangte.

Die Orgelempore wurde im Zuge der Kirchenrenovation in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts durch einen Betonemporeneinbau ersetzt, da die Statik nicht mehr gesichert schien.

Christoph Schmitt

Kirchturm (Fortsetzung)

Der „Thurm der alten Pfarrkirche“ war

„bei dem Bau der jetzigen Pfarrkirche - begonnen im Jahre 1790 und vollendet 1793 - [...] ohne Helm [!] stehen[geblieben]. Dieser Mangel verunstaltete das ganze übrigens schöne Gebäude. Der Hochwürdige Herr Dom-Kanonikus Schue, schon mehrfach Wohlthäter der hiesigen Gemeinde, konnte dieses Mißverhältniß nicht länger dulden. Er machte daher der Gemeinde das Anerbieten, den Thurm ausbauen und mit einem Helm auf seine Kosten versehen lassen zu wollen, nur sollte die Gemeinde, da sie reich an Waldungen sei, das nöthige Eichenholz zu dem Bau liefern“

(Pfarr-Acten S. 104). Der Abschlußbericht bemerkt später:

„Dieses Anerbieten [Schues] wurde von der Gemeinde danckbar angenommen und von hochlöblicher Königl. Regierung in Trier gutgeheißen. Es erhielt daher der Communal-Baumeister Bingler in Trier den Auftrag, einen Plan und Kostenanschlag des Thurm es zu entwerfen. Der Kostenanschlag betrug 1200 Thaler; wozu Herr Dom-Kanonikus Schue sogleich nach Abzug des betreffenden Eichenholzes 900 Thaler hergab und an den Königl. Steuerempfänger Herrn Huber zu Trittenheim zur Deckung der Kosten auszahlte. Der Plan des Thurmes war im Ganzen schön und erhielt allgemeinen Beifall; nur wurde nach dem Gutachten anderer Bauverständiger daran getadelt, daß der Helm , der nur mit dem Kreuze 50 Fuß Höhe hätte, zu nieder zu stehen komme und daß eine solche Höhe mit dem Mauerwerk im Missverhältnisse stehe, wen[n] der Helm nicht ferner 30 Fuß erhöht würde. Auch diese Erhöhung im Betrage von 130 Thaler hat der Herr Dom -Kanonikus Schue übernommen und die betreffende Summe dafür auszahlt. Die ganze Herrstellung des Thurmes und Helmes wurde im Wege der Lizitation verdungen, und hat dieselbe der Herr Zimmermeister Weis in Trier erstanden. Derselbe hat die Arbeiten an dem Thurm im Monat April 1842 begonnen und am 12ten Dezember desselben Jahres vollendet. Gemäß erfolgter Revision der Königlichen Baubehörde, wurden die Arbeiten alle gerühmt und gutgeheißen. Am 16ten Dez. wurde zur allgemeinen Freude der Hahn dem Helm aufgesetzt“

Pfarr-Acten S. 104). Schue hatte sich einen

„runden spitzen Thurme, ähnlich dem in Leiwen“

(Pfarr-Acten S. 99) gewünscht, doch sollte das Ergebnis etwas abweichen. J. B. Binglers Neigung zu klassizistischen Formen lässt sich auch an dieser Bauerweiterung durch den Vergleich mit ähnlichen Turmgestaltungen Binglers in Ensch, Beuren oder in Kell am See erkennen.

Christoph Schmitt