12.10.2013

Johannes Trithemius (1462 bis 1516)

„1462, Anno  Bernardi secundo, ... die mensis Februarii prima, hora undecima, minuto XXXIII post meridiem in nocte, ego Johannes Trithemius  ...“.

Etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht am 1. Februar 1462 geboren zu sein, so beschreibt Johannes Trithemius den Beginn seines Lebens im zweiten Band seiner Hirsauer Klostergeschichte.

Johannes Trithemius gehört zu den Menschen aus Trittenheim, die in der Tat Weltruf erlangten. Um seinen Wissenshorizont zu erweitern, mußte er die Heimat verlassen. Die zeitweise Rückkehr in das heimatliche Dorf verhinderte ein Unwetter, denn der 20jährige sollte die Benediktinerabtei Sponheim als neue Heimat finden. Zumindest 23 Jahre lebte der mit 21 Jahren zum Abt Gewählte dort. Es war ein Wirkort mit großer Ausstrahlung, bevor ihn die Suche nach einem neuen Kloster 1506 nach Würzburg in das dortige sog. Schottenkloster führte. Dort verstarb er 1516. Dazwischen liegen Jahre voller literarischer, reformerischer und seelsorglicher Tätigkeit.

Man darf es ruhig zugeben: Die Berühmtheit des Sponheimer, später Würzburger Abtes verschaffte seinem Heimatort Trittenheim einen Platz in der Welt der (Nachschlage-)Literatur. Manchmal taucht er in der Literatur einfach nur der Name „Trittenheim(er)“ auf  - und so taucht nicht nur Benediktiner aus Trittenheim vor Augen auf, sondern auch seine Heimat, die er, obwohl er sie nie wieder sah, doch in seinem Herzen bewahrte. Dass man davon auch in  „Trittenheim Ein[em] Flecken an der Mosel zwischen Trier und Nuemagen allda der beruehmte und gelehrte Abbt Johannes Trithemius ist gebohren worden ..."* Kenntnis nehmen kann, wird aus der Fülle der Literatur zu seiner Person und seinem Werk nur einiges zu seiner Lebensgeschichte und zu seiner Aufnahme in Trittenheim zu sagen sein.

*So in Matthias Merian, Topographia Archiepiscopatuvm Moguntinensis Treuirensis et Coloniensis, Das ist Beschreibung der vornembsten Stätt vnd Plätz in denen Ertzbistümen Mayntz, Trier vnd Cöln. An Tag gegeben durch Matth: Merian., 2. Ausgabe verfaßt von Martin Zeiller und hrsg. von Matthaeus Merians d. Ae. sel. Erben Frankfurt 1675, S. 57.

 

 

Denkmal(e) an Johannes Trithemius

Trithemiusbilder

In dieser fiktiven Darstellung findet sich das Trithemiusbild erstmals bei dem französischen Gelehrten André Thevet (Livre des Vrais Pourtraits, 1584)

 Dieses Bild wurde zur Vorlage vieler Nachdrucke, wie etwa bei diesem Druck von 1616

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Trithemius - Autor der Hirsauer Chronik

Für das Benediktiner-Kloster Hirsau, das Trithemius durch verschiedene Besuche kennen gelernt hatte, schrieb der Abt Johannes sowohl als Abt von Sponheim als auch als Abt von Würzburg die Chronik. Die in seiner Sponheimer Zeit verfasste einbändige Chronik blieb unvollständig und wurde zwischen 1495 und 1503 verfasst (1559 erstmals gedruckt). Die zwischen 1509 und 1514 verfasste Chronik Hirsaus, die „Annales Hirsaugienses“, reichte hingegen bis in seine Gegenwart, wurde aber erst 1690 gedruckt.

Trithemius spricht bei beiden Werken vom „Chronicon Monasterii Hirsaugiensis“. Die Ausstellung nahm den Abschluss vor 500 Jahren zum Anlass, den Hintergrund der Entstehung der Annales Hirsaugienses in Dokumenten und Bildern zu beleuchten. Beachtlich ist dabei, dass das Interesse an der Handschrift lange Zeit sehr groß war und die Drucklegung die Hirsauer Geschichte auch als wichtige Quelle erschloss. Bis in das 19. Jahrhundert galt sie beinahe unangefochten als relevante Geschichtsquelle. Die Aufdeckung der Quellen eines Mönches Megenfridus als Fiktion erschütterten das Vertrauen in Trithemius. Erst im 20. Jahrhundert öffnete eine differenziertere Sicht einen neuen Blick auf Trithemius.

Bedeutsam sind die Annales Hirsaugienses auch deshalb, weil sie keine ‚reine’ Geschichte des Klosters Hirsau darstellen, sondern sich in der Darstellung seiner Geschichte auch eine Profangeschichte eingebettet findet, die Ereignisse von deutschen Herrschaften aufgreift und damit einen Beitrag zur Geschichtsschreibung des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation tangiert. Damit wurde Trithemius auch interessant für die Geschichte weltlicher Herrscher.

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