23.08.2013

Denkmal(e) an Johannes Trithemius

Johannes Trithemius zählt, auch wenn er in mancher Hinsicht kritisch betrachtet werden muss, zu den noch immer wichtigen Vertretern einer klösterlich-humanistischen Tradition an der Wende in die Neuzeit. 

Geboren wurde er in Trittenheim, lebte in Sponheim und Würzburg und wirkte an vielen anderen Orten, sei es durch seine Aufgaben als Visitator der Bursfelder Kongregation, als Briefschreiber, als Verfasser von historischen, literaturgeschichtlichen, spirituellen, aber auch kryptographischen Schriften. 

Seine Heimat, mit der er sich stark verbunden fühlte, obwohl er rund zwei Drittel seines Lebens nicht mehr dort verbrachte, hat ihm auf unterschiedliche Weise Reverenz erwiesen. Diese "Gedenkmale" lohnen eine eigene Betrachtung.

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Bericht über die Einweihung des Trithemiusdenkmals 1909

Festgehalten im ersten Band der Schulchronik Trittenheim, S. 15-16

 

Enthüllung des Trithemius-Denkmals auf
der Trittenheimer Moselbrücke am 5. Sept. 1909 

In erhebender Weise feierte heute Mittag die Be-
völkerung Trittenheims das Gedächtnis ihres größten Sohnes
Johannes Trithemius. Donnernde Böllerschüsse brachten den
Bewohnern der umliegenden Ortschaften Kunde vom
Beginn der Festfeier und lockten jung und alt nach
Trittenheims gastlichen Fluren. Von weitem schon
grüßten den Besuchern die kühnen Bogen u. schlanken
Formen der Trittenheimer Moselbrücke entgegen, die
mit zahlreichen Tannenbäumchen u. farbigen Fähn-
chen ausgeschmückt war u. einen festlichen Anblick
darbot.

Gegen 3 Uhr hatte sich die Brücke allmählich mit
Zuschauern gefüllt. Besonders auf dem rechten Brücken-
pfeiler staute sich die Zuschauermenge, denn hier
harrte das Trithemiusdenkmal, mit einem weißen
Leinenmantel umkleidet, seiner Enthüllung.
Um 3 ¼ Uhr begann die Festfeier. Unter den
Klängen einer Musikkapelle schritt das Fest-
komitee die Brücke ab u. machte vor dem Denk-
mal Halt. Zur Einleitung der Enthüllungsfeier
sang der Kirchenchor von Trittenheim <unter Leitung des Lehrers Hermann> das herrliche
Lied: „Herr, unser Gott, wie groß bist du, wie herr-
lich ist dein Name“ usw. Hierauf bestieg Herr Pastor
Schmitz von hier die Rednerkanzel. Er schilderte den
Anwesenden in Kürze den Lebenslauf u. die Be-
deutung Trithemius’ u. schloß mit einem dreifachen
Hoch auf Papst und Kaiser.

Hierauf nahm Herr Pastor Schmitz unter den
Klängen der Nationalhymne die Enthüllung der Statue
vor. Nach seinem Hinweis, das der Wahrspruch „Wem
Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die wei-
te Welt“ gerade im Leben des Trithemius eine passen-
de Bestätigung finde brachte der Kirchenchor das gleich-
lautende Lied mit Geschick zum Vortrag.

Daran anschließend sprach Herr Bürgermeister Lehnert
von Clüsserath. Als Vertreter der Gemeinde übernahm
er das Denkmal in deren Schutz.
Nach der Rede des Herrn Bürgermeisters trug
ein Knabe ein Festgedicht vor. Darauf wurde
nach einem Musikstücke unter allgemeiner
begeisterter Beteiligung das Mosellied gesun-
gen. Damit hatte die erhebende Feier einen
würdigen Abschluß gefunden.

Abends 8 ½ Uhr bewegte sich vom Schulhaus
bis zum Hotel Trithemius ein Fackelzug.
Gleichzeitig wurde ein, von Herrn Schmitz-Röbig
aus Trier geleitete, prächtige Beleuchtung der
neuen Moselbrücke mit Feuerwerk veranstaltet.
Die ganze Feier war durch herrliches Wetter be-
günstigt, was in jeder Hinsicht mit Freuden zu
begrüßen war. 

(Nach dem Bericht der Tr. Landesztg.)

Die Bewohner Trittenheims hatten die Kosten des
Denkmals dank besonders der Bemühungen des
verstorbenen Herrn Definitors Bettingen aufge-
bracht durch freiwillige Beiträge. Herr Bild-
hauer Haos aus Trier übernahm die Herstellung
für die Summe von 1300 M. Verpackung <70>,
Transport <80> u. Aufstellung <100> kosteten weitere 250 M.

 

Hinweis: in eckigen Klammern sind nachträgliche Einfügungen markiert.