09.06.2014

"... nach Amerika zu wandern"

Die Heimat verlassen und in ein neues, fernes, glückverheißendes Land ziehen? Das bewegte eine ganze Zahl von Trittenheimern im 19. Jahrhundert.

Die Pfarrchronik hält immer wieder das Wegziehen fest:

1850: "Im Monat Mai dieses Jahres ist die Ehefrau des im Jahre 1846 nach Algier ausgewanderten und daselbst verstorbenen Josef Radermacher mit Namen Margarethe Eifel von dort mit vier Kindern hierher zurückgekehrt." - Bei den Auswanderern nach 'Algier' handelte es sich um Persone, die nach Nordafrika gingen. Algerien war 1830 durch Frankreich besetzt worden und später zur Kolonie erklärt worden. Durch französische Immigranten sollte die Präsenz gestärkt werden, allerdings fanden sich zuwenige Franzosen dazu bereit. So wanderten Auswanderungsagenten in den 1840er Jahren auch durch die Nachbarstaaten. Sie warben für die Algerienauswanderung und malten den verarmten Familien eine glückliche Zukunft vor. So verkauften Familien ihren Besitz, um mit dem wenigen Hab und Gut eine neue Heimat zu finden. - Frankreich hatte die Küstenstraße zwischen Mostaganem und Oran ausbauen lassen und schützte die strategisch bedeutsame Verbindung durch Anlage von befestigten Dörfern. Diese sollten von preußischen Auswanderern besiedelt werden. Eines dieser preußischen Dörfer war St. Leonie, etwa auf der halben Strecke zwischen Oran und Mostaganem. Unterstützt von französischen Soldaten entstanden Häuser, eine Schule, Kapelle, Waschplatz und Straßen wie Wasserleitung. Gärten und Obstbaumplantagem wurden angelegt. 1851 lebte in St. Leonie 168 preußische Auswanderer und 26 französische Bewohner. Haupterwerb war die Landwirtschaft.

In St. Leonie lebte auch eine weitere Familie aus Trittenheim: der "Culivateur-Cordonnier", also der Bauer und Schuhmacher Peter Weber lebte mit seiner Familie "Merguerite Kokler" (Margarethe Kockler aus Hirzley) und den Kindern Jakob, Wilhelm und Margarethe in der N°27 Grande Rue. 

1851: "Den zweiten Juni dieses Jahres ist Johann Joseph Hermes, Schumacher, Sohn des verstorbenen Jakob Hermes und Thekla Schmitt von hier nach Nord-Amerika ausgewandert."

1852: "Am 1. Mai dieses Jahres sind Josef und Jakob Arens, Söhne von Matthias Arens dahier nach Nordamerika ausgewandert. Desgleichen ist am 12. April dahier ausgewandert der Bäckergesell Hermann Josef Kirsten Sohn des Matthias Josef Kirsten dahier."

1853: "Am 26. April dieses Jahres ist dahier durch den Missionar Herrn Pater Stanislaus ab Assumptione B. M. V. sacerdos Passionis D. N. J. Chr. zu Birmingham in Nordamerika die Nachricht von dem Ableben des am 2. Juni 1851 ausgewanderten Johann Josef Hermes eingetroffen."


1854: "Im Mai dieses Jahres ist Nikolaus Nummer ledigen Standes, Schneider von Profession, Sohn von dem verstorbenen Peter Josef Nummer von hier nach Amerika ausgewandert."

1855: "In diesem Jahre ist der nach Amerika ausgewanderte Schneider Nic. Nummer wieder zurückgekehrt."

Auch 1881 schildert das "Luxemburger Wort" im Mai eine Situation von Auswanderungswilligen:
"Trier. 19. Mai. In verschiedenen Gastwirthschaften der Römerstraße hatten sich gestern Bauersleute aus Ensch, Trittenheim, Thalfang und Umgegend einquartirt, um mit mit dem ersten Zuge auf Hamburg zu und von dort nach Amerika zu wandern. Es waren ungefähr 50 Personen, worunter nicht weniger als 22 unerwachsene Kinder sich befanden. Die Leute waren alle guten Muthes und sahen einer frohen Zukunft entgegen. Ob Alle sich derselben erfreuen werden? Hohe Steuern, Mißwachs etc. treiben die Leute, wie sie sagten, von hier fort. Das Ziel der Mehrzahl der Auswanderer ist Wisconsin. (Tr. L.)" (Foto)