... zur Firmung nach Luxemburg (Fortsetzung)

"Luxemburg, 29. Mai. Seit drei Tagen wiederholte sich in unserer Stadt ein Schauspiel, das in hohem Grade geeignet war, ein katholisches Herz zugleich mit Freude und Weh zu erfüllen. Es kamen nämlich am Dienstag, gestern und heute nahezu an 2300 Firmlinge aus der Nachbardiöcese Trier hiehin, um von unserem hochwürdigen Herrn Bischof das Sakrament der Firmung zu empfangen. Nachdem sie im Bahnhof abgestiegen, ordneten sich die Firmlinge, von denen überdies manche von ihren Eltern und verwandten begleitet waren, zu schöner Prozession und zogen singend und betend der Kathedrale zu. Zahlreiche Bürger waren hinausgeeilt, um den Zug zu sehen, und manche vestohlene und offene Thräne wurde geweint beim Anblick jener frommen Pilger, die aus der altehrwürdigen Diözese Trier nach der neugeschaffenen Diözese Luxemburg kamen, um jetzt hier ein Sakrament zu empfangen, das den Luxemburgern Jahrhunderte hindurch nur von Trierischen Bischöfen gespendet wurde. - Die Haltung der Firmlinge und überhaupt des ganzen Zuges war überaus erbaulich.
die Mädchen mit ihren weißen Kränze und in sittsamer Kleidung, die Jünglinge mit ihrem Gesangbuich unterm Arm und dem Ranzen über der Schulter, Männer und Frauen mit dem Rosenkranz in der Hand und die eifrigen Seelsorger inmitten ihrer Pfarrkinder: kurz, alle wie sie kamen, bekundeten durch ihre äußere Erscheinung, daß sie als Pilger kamen, voll Andacht und Glauben. Und wie sie gekommen, zogen sie auch wieder von dannen: kein Mißton störte die rührende Feier.
In der Cathedrale predigte vor der Firmung jedesmal einer der fremden Seelsorger und zwar am Dienstag Hr. Definitor Klein, Pfarrer von Thörnich, am Mittwoch Hr. Ulmer, Pfarrer von Föhren, heute Donnerstag Hr. Meiers, Pfarrer von Aach. ... Darauf fand die Firmung Statt, die mit der vorhergehenden Predigt an allen drei Tagen von 10 bis etwa 2 Uhr dauerte. Während der heiligen handlung und nach derselben zum Segen ertönten, von der ganzen Schaar gesungen, mehrere deutsche Kirchenlieder, und man konnte sich bei dieser Gelegenheit wieder einmal überzeugen, daß der kirchliche Volksgesang, zur rechten zeit gesungen, nicht wenig zur Erbauung der frommen Gemeinde beiträgt. ... Um 3 Uhr
des Nachmittags versammelten sich die Firmlinge wieder in der Kathedrale, wo sie nach einer überaus ansprechenden Segensandacht den Rosenkranz anstimmten und dann zum Bahnhofe aufbrachen, reicher geworden um ein hohes Gut, das Licht und die Kraft des hl. Geistes, und gestählt zu dem Kampfe den der Christ hienieden führen muß gegen die böse Welt, die eigene verderbte Natur u. die Mächte der Finsterniß. Möge doch die verwaiste Heerde recht bald einen neuen Hirten bekommen! Das wünschenvon Herzem unsern katholischen Mitbrüdern von der Mosel schönem Strande.
Die Firmlinge, welche an diesen drei Tagen aus der Diözese Trier nach Luxemburg kamen, vertheilten sich wie folgt:
Am Dinstag, 27. Mai, kamen die Firmlingen von Thörnich, Leiwen, Trittenheim, Köwerich, Clüsserath, Ensch, Detzem, Becond und Filiale Pölich (Pf. Mhring): ca. 800.
Am Mittwoch, den 28. Mai, die Firmlinge von Föhren, Riol, Longuich, Mehring und Filiale Fastrau (Pf. Fell): circa 800.
Heute Donnerstag, den 29. Mai, die Firmlinge von Kenn, Fell, Schweich und Filialie Naurath (Pf. Föhren): circa 700."

Dieser Bericht zeigt nicht nur ein besonderes Ereignis auf, sondern gibt auch einen Einblick in die Gestaltung besonderer kirchlicher Ereignisse: die Kleidung, der Schmuck und die Rolle des Rosenkranzes, der das Laiengebet schlechthin war.

Erst 1881 erhielt die Diözese Trier mit Bischof Michael Felix Korum einen neuen Oberhirten.

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