Weinbau im 20. Jahrhundert

Die Geschichte des Weinbaus in Trittenheim im 20. Jahrhundert wird bestimmt durch die Entwicklung des lokalen Weinhandels mit dem Phänomen der "Wein- oder Moselbarone", dem Wandel zum Vollerwerbswinzer und dem Beginn der Weinfeste als vermarktungsrelevantes Ereignis im Jahreslauf.

Wein im Ausschank

Im Luxemburger Wort vom 24.04.1916 findet sich S. 6 die Anzeige

"Von Ostersonntag ab offeriert hiesige
Bahnhof-Restauration im Pättchen:
a) 1 Fuder 1915er Obermosel, "Wuosseiter", Crsz. Pündel-Botzem ... 6 Sous
b) 1 Fuder 1915er Mittelmosel, "Trittenheimer Lorenziusberg", Crsz. Clüsserath ... 10 Sous
c) 1 Fuder Saar, "Canzemer Sonnenberg", Crsz. Geschwister Peifer ... 121/2 Sous [...]
Außerdem kommt zum Ausschank erstklassiges Bier nach Pilsener Art aus der Brauerei Mousel&Cie, Clausen. 2161"

 

 

Weinpreise zwischen den Weltkriegen

Die Situation des Weinbaus in Deutschland, die Vegetation und Preisentwicklung informiert ein Bericht der Augsburger "Allgemeine[n] Zeitung Süddeutsches Tagblatt Großdeutsche Rundschau" (127. Jg., Nr 399, Samstag, 4. Oktober 1924; S. 5) im Wirtschaftsteil:

"Vom deutschen Weinmarkte. Die Witterung der letzten Woche ist sommerlicher geworden, gleichwohl konnte man die Frühsorten in den Weinbergen nicht mehr länger hängen lassen, zumal teilweise Fäulnis eingetreten ist. [...] Die Weinversteigerungen nahmen weiteren Fortgang mit wechselndem Erfolg. Im freihändigen Weingeschäft setzte man in der Rheinpfalz 1923er Gewächse am oberen Gebirge zu 450-500 M. und an der Unterhaardt bis zu 550 M. die 1000 Liter ab. Bei Verkäufen in Rheinhessen wurden für 1922er Weine 400-750 M. und darüber je 1200 Liter erlöst, während es 1923er bis zu 650 M. brachten. An der Nahe gingen 1922er zu 650 bis 800 Mark, Lorch 1922er zu 450 bis 600 Mark je Halbstück. Am Mittelrhein ist ein ganzer Weinort, Oberheimbach, von der Reblaus befallen und dem Untergang geweiht. [...] An der Mosel setzten ab Mehring 1922er Weine zu 580 M., Wintrich zu 600 M., Dusemond zu 650-750 M., Lieser zu 650 M., Dusemond einige bessere Fuder 1923er Gewächse zu 1000-1200 M., Wintrich 1923er zu 750 M., Trittenheim zu 950 Mark, alles die 960 Liter. [...]".

 

 

 

Weinwirtschaft im Zeichen der Währungsreform

Seit Sommer 1922 kam es in Deutschland zur Hyperinflation; sie hatte ihren Grund bereits mehrere Jahre zuvor mit dem Kriegseintritt im Jahr 1914. Von Woche zu Woche und in der Endphase sogar von Stunde zu Stunde nahm der Wert erheblich ab. Wurden schon alltägliche Güter durch den Preisanstieg immer häufiger schwerer zu erwerben.  In der Endphase der Hyperinflation mussten in Berlin beispielsweise für 1 kg Brot 428 Milliarden Mark bezahlt werden. Pünktlich zu bezahlen bedeutete 1923 in der Regel täglich oder sogar mehrmals am Tag, da sich die Kaufkraft der Mark rapide verschlechterte.  Welcher Winzer wollte Wein verkaufen, wenn wie üblich zwischen dem Verkauf und dem Geldeingang längere Zeit verging und damit erhebliche Verluste durch die Geldentwertung entstanden. Die große Inflation wurde mit der Währungsreform im November 1923 beendet. Die neue Währung sollte durch wertbeständige Rohstoffe abgedeckt sein - so die Goldmark im Deutschen Kaiserreich - aber der Reichsbank fehlten die nötigen Goldreserven. Entwickelt wurde die Rentenmark, die durch eine Grundschuld auf deutschen Boden und Anlagekapital gedeckt wurde und den Märkten Vertrauen in die deutsche Währung zurückgab.
Die Deutsche Rentenbank wurde am 15. Oktober 1923 gegründet. Ihr Grundkapital stammte auf der einen Seite von der Land- und Forstwirtschaft, auf der anderen Seite aus Industrie, Handel und Gewerbe. Am 15. November wurden die ersten Rentenbankscheine ausgegeben und das Vertrauen der Bevölkerung in die Übergangswährung nahm rasch zu. Die noch zirkulierende Papiermark wurde zu einem festen Umrechnungskurs zum US-Dollar und zur Rentenmark gehandelt: 4,2 Billionen Papiermark entsprachen 1 US-Dollar und 4,2 Rentenmark. Am 30. August 1924 endete die Große Inflation mit der Einführung der Reichsmark endgültig. 1 Reichsmark entsprach wiederum 1 Goldmark sowie 1 US-Dollar hat als Gegenwert 4,2 Reichsmark.

1923 entstand als eine gewisse Behelfslösung in Trier eine Weinbörse (im Cafe Baur), an der Wein mit Preisen in Goldmark und einem Wechselkurs 10/42 US-Dollar angeboten wurde. Diese Börse sollte die Weinversteigerungen nicht ersetzen, aber ergänzen.

Im Februar fanden in Trier im Katholischen Bürgerverein wieder Weinversteigerungen statt. Einem Pressebericht lässt sich die Preisentwicklung entnehmen: "Die heutige Weinversteigerung im Kath. Bürgerverein hatte sich ebenso wie die vorhergehende eines recht zahlreichen Besuches zu erfreuen. Zuerst kamen 1922er zum Ausgebot, zum Schlusse erst die 1921er. Es erzielten: [...] 4. Weingut Joseph Milz zu Neumagen: 1 Fuder Trittenheimer 1922er 2100 MK.; 1 Fuder Neumagener 2530 MK.; 1 Fuder Dhroner 3500 Mark. Zusammen 8530, im Durchschnitt 2710 Mark. [...] 13. Das Bischöfliche Priesterseminar zu Trier: 4 Fuder 1921er Caseler 12 910, 12 720, 13100 und 13 006, zusammen 51730, im Durchschnitt 12 943 Mk.; 3 Fuder 1921er Ayler Kupp 15 700, 13 900 und 14 900, zusammen 44 800, im Durchschnitt 14 833 Mk.; 3 Fuder 1921er Wiltinger 30 200, 21100 und 21 000, zusammen 72 300, im Durchschnitt 14 100 Mark; 3 Fuder Dhronhofberger 10 630, 12 300 und 15 930, zusammen 38 260, im Durchschnitt 12 753 Mk.; 3 Fuder Trittenheimer 22 100, 21 100 und 20 500, zusammen 63 700, im Durchschnitt 21 233 Mk. Gesamterlös für 16 Fuder 270 790 Mk. 14. Weingut Joseph Milz zu Neumagen: 1 Fuder 1921er Neumagener 11 000 Mk.: 1 Fuder Trittenheimer 15 100 MK.; 1 Fuder Dhroner Hofberg 18 700 Mark. [...] Der erste Tag hatte einen Gesamterlös von 1 021900 Goldmark erbracht." (Obermosel-Zeitung 44, Jg., Nr. 52, 1.03.1924, S. 3).

Etwas anders sahen die Ergebnisse bei der Versteigerung Ende März in der Treviris aus: "Die Vereinigung von Weingütern der Ruwer E. V. brachte heute im großen Saale der Treviris 44 ganze und zwei halbe Fuder 1922er sowie 14 Fuder 1921er Weine von Mosel, Saar und Ruwer zum Ausgebot. Es erzielten:
[...] 14 verschiedene Pfarrgüter und Stiftungen mit zusammen 26 Fuder 1922er und 1 Fuder 1921er und zwar: 1 Fuder Lieserer Niederberg Pfarrgut 1130, 1 Fuder Lieserer Niederberg Frühmesserei 1110, 2 Fuder Thörnicher Pfarrgut 1400 und 2500, 2 Fuder Neumagener Pfarrgut 1350 und 1990, 2 Fuder Trittenheimer Eifelstiftung 1510 und 1490, 3 Fuder Trittenheimer Pfarrgut 1320, 1500 und 1300, 3 Fuder Mehringer 1100, 1130 und 800, 1 Fuder Clüsserather Bruderschaft Pfarrgut 1630, 1/2 Fuder Rhodener Herrenberg Pfarrgut Irsch 680, 2 Fuder Dhroner 1430 und 1150, 1 Fuder Piesporter Falkenberg Pfarrgut 1800, 1/2 Fuder (606 Liter) Piesporter Goldtröpfchen Pfarrgut 1020, 1 Fuder Cröver Kirchgarten Pfarrgut 1910, 2 Fuder Zeltinger Pfarrgut 1810 und 1050, 2 Fuder Zeltinger Frühmesserei 1920 und 1860, 1 Fuder Kinheimer Pfarrgut 2220, 1 Fuder Longuicher Pfarrgut 1220, 1 Fuder 1921er Longuicher Pfarrgut 3020. Gesamterlös für 26 Fuder 1922er und 1 Fuder 1921er 42 376 Grundmark" (zitiert nach Obermosel-Zeitung 44. Jg., Nr. 74, 28.03.1924, S. 3).

Un cortège du vin à Berlin

Die Weinwerbeaktionen [s. Foto, Th. Monzel]  der Berliner Reichsregierung, in die auch die Weinbaugemeinde Trittenheim einbezogen war, fand auch international ihr Echo, so etwa in der französischen Tageszeitung La Croix vom 23. Oktober 1935:

La crise de surproduction avait laissé dans les caves allemandes du Sud un important superflu de l'excellente vendange de l'an dernier. Celle de cette année étant également bonne, la situation des vignerons est devenue  critique. C'est pourquoi une «Semaine du vin» a été organisée dans l'Allemagne du Nord et du Centre qui sont  surtout des buveuses de bière. Lundi, sous les auspices du «Père Rhin», un cortège du vin s'est déroulé dans les rues de la capitale. Ce cortège a remporté d'autant plus de succès que 4 000 bouteilles ont été gratuitement  distribuées aux curieux. Les camions distributeurs de bouteilles qu'on lançait à toute volée dans la foule ont subi  un véritable assaut devant le Brandeburger Tot. Mais aucun incident n'a gâté la bonne humeur des Berlinois.  Cette semaine, la municipalité de la capitale renonce à la taxe sur les vins de Cluesserath, Trittenheim et  Mehringen dont elle est marraine et dont le quart de litre est vendu 35 pfennig dans tous les cafés de la ville.