15.08.2016

Der Trittenheimer im Spiegel der Literaten

Gerne lasse ich Sie an meinen Lesefrüchten teilhaben - die beschriebenen Weine allerdings kann ich Ihnen nicht reichen. Dazu müssten Sie sich entweder auf den Weg in den eigenen Keller begeben oder ihn vor Ort, in Trittenheim, genießen. Das gilt besonders dann, wenn ein älterer Jahrgang vielleicht vergriffen ist - und schauen Sie doch nach den "Nachgewächsen".

Der irische Schriftsteller und Nobelpreisträger des Jahres 1969, Samuel Barclay Beckett (1906-1989), hielt sich 1936 zwischen Oktober und Dezember in Hamburg auf. Während dieser Zeit führte er Tagebuch und beschrieb in rund 50 Beschreibungen auch, was er gegessen oder getrunken hatte. Beim Durchblättern stieß ich auch auf die folgenden Notizen: Im Rathauskeller verspeist er am 14.10.1936 "Aalsuppe & Roquefort & Trittenheimer." Beim Besuch des Deutschlandhauses (Ecke Dammtorstr./Valentinskamp/Am Gänsemarkt) kostet er in der dortigen Stadtschänke ein "excellent glass Trittenheimer for 60 Pf".

Der deutsche Staatsrechtler Carl Schmitt (1888 bis 1985), der in Plettenberg lebte, schreibt 1952 in einem Brief an seinen früheren Schüler, den Schweizer Publizisten, Schriftsteller und Journalisten Armin Mohler (1920-2003), er habe vor, den „Ibsenstein“ einzuweihen. Dieser Ibsenstein ist ein Schieferfelsen, in den Carl Schmitt aus Begeisterung für den norwegischen Dichter Ibsen ein großes I eingemeißelt hatte. Die Taufe sollte vollzogen werden, indem „eine Flasche Trittenheimer Laurentiusberg an den Felsen“ geworfen werde.  "Da erschienen zwei Yogis, verwickelten uns in ein Gespräch, das Wetter änderte sich plötzlich und die ganze Zeremonie wurde auf unbestimmte Zeit vetagt.“ Ob die Flasche Laurentiusberg noch zerschellte oder ein anderes, glücklicheres Schicksal fand, darüber schweigt der Briefwechsel.

Christoph Schmitt

17.05.2014

Jospeh von Lauffs Preislied auf den Trittenheimer

Joseph von Lauff (1855 Köln bis 1933 auf Haus Krein bei Cochem) war Sohn eines Juristen und wuchs in Kalkar auf, wo er das Gymnasium (Kalkar, Münster) besuchte und dann zum Militär (Artillerie) ging. Zwischen 1898 und 1903 wirkte er als Dramaturg am königlichen Theater in Wiesbaden. Anschließend widmete er sich als freier Schriftsteller der Schaffung von Literatur. Wilhelm II. (1859-1941) sah in ihm einen der bedeutendsten deutschen Bühnendichter und protegierte ihn; der Karl Kraus (1874-1936) hingegen sah in ihm nicht mehr als einen trivialen Gesinnungs- und kaiserlich-preußischen Hofdramatiker.

1915 erscheint "Ein komisches Mondschein-, Wein- und Moselmärchen" als Teil des Gedichtes "Die Brixiade" (mit mehreren Auflagen). Auch Trittenheimer Lagen werden darin an verschiedenen Stellen erwähnt.

Im Kapitel "Die achte Flasche" tritt ein weibliches Wesen auf, "eine seriöse Dame ... kein Zweifel, sie schien etwas rundlich, auch in den Hüften etwas breit, doch äußerst kußlich, äußerst mundlich war ihre ganze Weiblichkeit" und in ihrem Gespräch mit dem 'Doktor' äußert diese Dame:

»Ach! dort,« so sprach sie lächelnd weiter,
»Wo die Natur es gütig meint,
Und wo die Sonne fromm und heiter
Ein stilles Gartenland bescheint,
Dort, wo Trithemius geboren,
Wo Rebe sich an Rebe schmiegt –
Zu Trittenheim hat traumverloren
Die treue Mutter mich gewiegt.«
»Aus Trittenheim . . .? – Du meine Güte!
So nimm mich, nimm mich, wie ich bin!
Komm an mein Herz, du stolze Blüte,
Du edle Trittenheimerin!«

Wenige Zeilen weiter bricht aus dem 'Doktor' ein Lied hervor:

"... Sang er mit silbernem Tenor:
    »Es zog ein Mann durchs Moselland,
    Des Stimmung war nicht gut;
    Er trug im heißen Sonnenbrand
    'nen Florentinerhut.
    So strich er über Stock und Stein
    Und ohne Rast und Ziel;
    Ihm schmeckte nirgendwo der Wein,
    Kein Weib ihm noch gefiel.
    Drum sang er auch nicht frisch und froh:
    Benedicamus Domino!

    Das Leben, kaum vom Licht umblaut,
    Hat wenig ihn gelockt,
    Sowie von Benediktenkraut
    Ein scheußlicher Dekokt.
    Er schleppte schwer im Stiefelschaft
    Bis Trittenheim sich fort;
    Rings duftete vom edlen Saft
    Der kleine Moselort.
    Da rief er fröhlich mit Hallo:
    Benedicamus Domino!

    Ein Moselmädchen, blink und blank,
    Fixbeinig auf dem Schuh,
    Bei aller Molligkeit noch schlank,
    Die trank ihm artig zu.
    Der Trittenheimer traf sein Herz,
    Der Wein war voll und rund;
    Die Seele schwang sich himmelwärts,
    Und glücklich sprach sein Mund:
    Mir wird so wohl, des bin ich froh –
    Benedicamus Domino!"

Wer das vollständige Gedicht lesen möchte findet es hier.