Die Entwicklung der Weinfeste in Trittenheim sind - wie andernorts auch - Teil eines Marketings zu sehen, auch wenn es damals nicht so genannt wurde.

Wichtige Voraussetzungen für den besseren Verkauf schuf die Verbesserung der Verkehrswege:

a) der Bau der Bahnverbindung zwischen Trier und Bullay mit der Moseltalbahn, die Trittenheim seit 1903 erschloss,

b) der Bau der Trittenheimer Moselbrücke 1907/09

c) der Ausbau der Mittelmoselstraße zwischen Schweich und Neumagen, der 1927 aufgenommen wurde.

Gerade der Straßenbau und damit die Förderung des Individualverkehrs sollte ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der regionalen Wirtschafts- und Infrastruktur sein. Im Mai 1933 wurde diese straßenmäßige Anbindung in einer großen Eröffnungsfeierlichkeit in Trittenheim eröffnet.

Die nationalsozialistische Regierung nutzte die Gelegenheit, sich als Anwalt der kleinen Handwerker und Winzer vorzustellen. Sie versprachen, kurzfristig die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Winzer zu erreichen.

Eine propagandistisch effektvolle Idee wurden ersonnen in Gestalt  der Weinpatenschaften: größere Städte sollten für die in den "Reichsnährstand" eingegliederten Winzer dafür sorgen, dass nicht nur der Absatz von Wein verbessert wurde, sondern auch eine Verbundenheit der Stadt mit den ländlichen "Volksgenossen" als Teil der großen "Volksgemeinschaft" bekundet werde.

Die Reichshauptstadt Berlin selbst übernahm 1935 beispielsweise die Patenschaft für "den größten Teil des Weinbaubezirkes Landau (Pfalz), [für] die Moselweinorte Trittenheim, Cluesserath und Mehring und den Weinort Monzingen im Nahegebiet" (so in einem Zeitungsbericht vom 2.9.1935, zitiert nach Schulchronik Bd. I, S. 99). Die politische Relevanz, die man dieser Aktion zumaß, zeigt sich in der Zusammensetzung des "Ehrenausschusses": er bestand aus führenden NS-Funktionären (je ein Staatskommissar, ein stellvertretender Gauleiter, ein Vizepräsident, der Gauwirtschaftsberater der NSDAP des Gaues Groß-Berlin, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Werberates war, der Reichssendeleiter, der Landesbauernführer, ein Gauwalter des Gaststättengewerbes). Als erklärtes Ziel formulierte der Ausschuß, daß es sich "die Reichshauptstadt [...] angelegen sein lassen [wird], im Rahmen dieses Festes den Umsatz der genannten Orte durch eine ganze Reihe von Werbemaßnahmen zu fördern" (Zeitungsbericht vom 2.9.1935, zitiert nach Schulchronik Bd. I, S. 99). Ergänzend zu den Patenschaften fanden auf nationale Gefühle abgestimmte Feiern unter dem Motto "Fest der Deutschen Traube und des Deutschen Weines" statt; sie lassen sich zumindest für die Jahre 1935 bis 1937 nachweisen.

Das desaströse Ende des zwölf Jahre währenden "Tausendjährigen [Dritten] Reiches" bot keinerlei Anlass, die Gedanken einem Winzerfest zu widmen. Die Sorge um das Lebensnotwendigste nahm die Menschen allerorten in Beschlag und für viele stellte sich die grundsätzliche Frage nach dem, was die Zukunft bringen werde angesichts dieses dämonischen Endes.