22.08.2016

Weinlagen im Spiegel der Versteigerungen

Hinweise, wie sich die Weinlagen in der Werbung für den Wein entwickelt haben, finden sich auch in den Veröffentlichungen über die jährlichen Weinversteigerungen.

Die Obermosel-Zeitung (45. Jg., Nr. 39, 16.02.1925, S. 6) berichtet:
"Weinversteigerungen in Trier (2. Tag.)
Am 11. Februar kamen folgende Weine zum Ausgebot: Weingut Josef Milz in Neumagen: 1 Fuder 1922er Drohner Meilberg 1140 Mark; 2 Fuder 1922er Trittenheimer Sonnteil und Laurentiusberg 1100 und 1030, zusammen 2130, im Durchschnitt 1065 Mark; 1 Fuder 1922er Neumagener Held 1050 Mark! 1 Fuder 1922er Trittenheimer Weierbach 1050 Mark; 1 Fuder 1922er Neumagener Hambuch 1050 Mark; [...] Gesamterlös für 10 Fuder 1922er 11 800, im Durchschnitt 1180 Mark. [...] Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Trier. [...] Weingut Trittenheim: 1 Fuder 1922er Dhroner Hofberg 1110 Mark; 2 Fuder 1922er Trittenheimer Laurentiusberg zu 1220 und 900, zusammen 2120, im Durchschnitt 1060 Mark; 1 Fuder 192er [sic!] Neumagener Weierberg 860 Mk.; 2 Fuder 1922er Trittenheimer Perigerkupp und Laurentiusberg zu 1500 und 1500, zusammen 3000 Mark. Zusammen für 6 Fuder 1922er 7110, im Durchschnitt 1185 Mark. [...] Weingut Josef Milz zu Neumagen: 1 Fuder 1921er Trittenheimer Laurentiusberg zu 3000 Mark; 1 Fuder 1921er Neumagener Engelgrube zu 3000 Mark; 1 Fuder 1921er Dhroner Kandel zu 3010 Mark; 3 Fuder 1921er Trittenheimer Leiterchen, Felsenkopf und Sonnteil zu 2840, 3350 und 3000 Mark, zusammen 9190, im Durchschnitt 3063 Mark, 2 Fuder 1921er Dhroner Hofberger zu 3110 und 3010, zusammen 6120, im Durchschnitt 3060 Mark. Gesamterlös für 8 Fuder 1921 er verschiedener Lagen 24 320, im Durchschnitt 3040 Mark. [...]".

Die Lagen Trittenheimer Leiterchen und Felsenkopf waren schon seinerzeit im Alleinbesitz des Weingutes Milz. Dieses hatte die Marke Leiterchen 1922 angemeldet und 1923 beim Markenamt eintragen lassen; für den Felsenkopf war die Registrierung schon 1909 als Anmeldung und Eintragung erfolgt.

Seit wann gibt es die Weinlage "Trittenheimer Apotheke"?
Eine Antwort darauf zu geben ist nicht ganz einfach - und genauso fraglich ist es, wie es zum Entstehen des Namens kam.

Wer denkt beim Wein nicht gern an wohltuende Arznei? Auch mit biblischer Hilfe wird einem schwachen Magen dazu angeraten, ein wenig Wein zu gebrauchen (vgl. 1 Tim 5,23). Dass eine ganze Weinlage dieser medizinischen Wirkung verpflichtet werden sollte - auch der Ruf und Namen der Lage Bernkasteler Doktor geht ja auf eine solch heilsamen Wirkung zurück - freut den Weinfreund ebenso wie den Winzer, selbst wenn es nur eine Legende ist.

Schon Karl Christoffel handelte in seinem Buch über die "Weinlagen der Mosel" die "behäbige Apotheke" unter den originellen und scherzhaften Namen ab (S. 36f.). Vermutlich war auch er in Verlegenheit, benennen zu können, woher der Name stammen könnte.

Vielleicht eine der frühesten Nennungen findet sich in einer Versteigerungsmitteilung der luxemburgischen Obermosel-Zeitung vom Dezember 1928. Berichtet wird über eine Weinversteigerung in Trier, die am "3. Versteigerungstage [...] einen besonders guten Besuch aufwies". Zum Ausgebot kamen durch das "Bischöfliche Priesterseminar zu Trier: 44 Fuder 1926er Mosel- und Saarweine und zwar 27 Fuder Saar und 17 Fuder Mosel. [...] 6 Fuder Trittenheimer Fußwingert, Sonnteil, Apotheke, Graulay, Laurentiusberg, zu 1360, 1310, 1340, 1410, 1700, 1780 Mark, zusammen 8900 Mark, durchschnittlich 1483 Mark. [...]" (Obermosel-Zeitung 47. Jg., Nr. , 7.12.1028, S. 3).

Mm Mai 1929 versteigert das Bischöfliche Priesterseminar neben dem Pfarrgut Trittenheim (dieses versteigerte 2 Fuder 1927er Trittenheimer Olk und Laurentiusberg zu 1490 und 1500 Mark) wiederum Trittenheimer Weine: "3 Fuder Trittenheimer Apotheke, Fußwingert, Laurentiusberg, zu 2710, 2060, 2540 Mark, zusammen 7310 Mark, durchschn. 2436 Mk.". (Obermosel-Zeitung 49. Jg., Nr. 121, 28.05.1929, S. 3).

Der Aufstieg des Namens Apotheke zu seinem heutigen Bekanntheitsgrad begann allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis dahin war etwa der Laurentiusberg  der gesuchteste Wein. Dass der Lagenamen Apotheke erstmals in den 1920er Jahren  auftauchte ist festzustellen. Doch warum dieser Name gewählt wurde bleibt rätselhaft: Die Lage findet sich im wesentlichen auf der rechten Moselseite, dort, wo in kurfürstlicher Zeit die Abtei St. Matthias/Eucharius (Trier) ihre Rechte hatte. Besitzbeschreibungen der alten Abtei im Landesarchiv Koblenz (Bestand 210) nennen durchgängig die heute auf der rechten Moselseite zwischen Fährfels und Gemarkungsgrenze zu Neumagen gelegene Bergfläche als abteilicher Besitz. Ortsseitig setzte sich etwa auf gleicher Höhe der Besitz fort in der Mattheiser Acht (markiert durch die heutige Moselstraße und die Spielesstraße). Dieser Besitz dürfte mit den in der Urkunde des Papstes Eugen III. 1148(1149) bestätigten Besitzrechten eines Hofgutes und der Kirche St. Clemens weitgehend übereinstimmen. 

Sollte etwa dieser Bezirk des Abtes, in Quellen als 'apt' widergegeben (so im Weistum von 1599), dazu verleitet haben das aptig mit dem im Dialekt lautmäßig ähnlich klingenden Wort für Apotheke 'Apdikt' zu verwechseln? Oder war es der kluge Schachzugs eines Weinhändlers, dem im Privatbesitz befindlichen 'Bernkasteler Doctor' eine pharmazeutische Unterstützung mit der 'Apotheke' bei zu fügen? Das Rätsel harrt noch seiner Lösung. Zumindest hätte ein Trittenheimer Abtsberg oder Abteiberg nicht ein vergleichbares Alleinstellungsmerkmal wie die 'Trittenheimer Apotheke'.

In Abwandlung eines Schillerzitates aus der Jungfrau von Orleans ließ die Pharmazeutische Zeitung 1936 diesen Gedanken anklingen: "Man soll vom Doktor zur Apotheke gehen: Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen". 

"Die größte Apotheke der Welt"

Wenn eine Apotheker-Zeitschrift, genauer gesagt die "Pharmazeutische Zeitung" über die Apotheke Trittenheims schreibt, dann merkt man schon, dass sie etwas neidisch ist auf die größte Apotheke, die in Trittenheim liegt - allerdings unterscheidet sich ja die eine Apothekenlandschaft von der anderen. Die Trittenheimer Apotheke ist ja schließlich eine Weinlage und stellt nur in einem weiterem Sinne und mit klarem Maß ein Heilmittel bereitstellt. Mehr dazu findet sich online.

Übrigens: Schon in der Ausgabe der Pharmazeutische[n] Zeitung, 81. Jahrgang (1936/Nr. 80) S. 1068, fand sich ein Artikel über die Trittenheimer Apotheke.

Trittenheimer Weierbach

Diese Weinlage leitet ihren Namen ab vom "Weierbach", einem kleinen Gewässer, das die Grenze zwischen den Gemarkungen Trittenheim und Neumagen bildet und auf dem Klüsserather Berg entspringt.

Eine weinbauliche Nutzung ist mindestens seit dem 19. Jahrhundert nachweisbar, wie eine Anzeige in der luxemburgischen Zeitung "L'Union"  vom 10. November 1865 zeigt: Anzeige